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Monopoly Vereint

Monopoly vereint die Brettspielwelt – mit mehr als 750 Millionen Menschen in über 80 Ländern der Welt, die bisher Monopoly gespielt haben.
Monopoly vereint Spieler aus über 40 Ländern aller Kontinente - die alle vier Jahre Ihren offiziellen Monopoly-Weltmeister ausspielen.
Monopoly vereint seit 70 Jahren Familien - die sich generationsübergreifend zu einer Partie Monopoly zusammensetzen um ihren „Monopolisten“ auszuspielen.
Monopoly vereint Clubspieler - deren Vereinsstatuten die Pflege des Brettspiels und das gemeinsame Treffen zum Zweck des Monopoly Spielens anführen.

Monopoly: Das ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte, die aber manche Rätsel aufgibt. Warum war und ist Monopoly so erfolgreich? Das Spiel hat in all den Jahren seit seiner Erstauflage noch nie eine besondere Auszeichnung, wie etwa die des „Spiel des Jahres“ erhalten. Auch der Beginn der Monopoly Geschichte verhieß zunächst nichts Gutes. Die Weltwirtschaft steckte in tiefer Rezession und als Charles B. Darrow das Spiel im Jahre 1933 zum ersten Mal dem schon damals etablierten Spielverlag Parker vorlegte, attestierten die Experten dem Spiel 52 fundamentale Fehler und lehnten die Lizenzrechte für Monopoly dankend ab. Dennoch wurde aus Monopoly später ein weltweites Phänomen. Erklärungsversuche …

Monopoly in den USA der 30er Jahre: Politisch aktuelle Realitätsflucht?
Nüchtern betrachtet, waren die Bedingungen für die Einführung und Etablierung eines neuen Brettspiels in der Mitte der 30er Jahre denkbar ungünstig. Eine der weltweit schwersten Wirtschaftsdepressionen beutelte nicht nur die USA mit millionenfacher Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Deflation. Dennoch begann in dieser Zeit eine weltweite Erfolgsstory. Hatten die Menschen in den USA zu diesem Zeitpunkt nicht andere Sorgen, als ein neues Brettspiel zu kaufen?
Ein erster Erklärungsansatz aus den Sozialwissenschaften: Das Brettspiel bietet mit einem vorgegebenen Regelwerk, einer zeitlichen Limitierung und einem festgelegten Spielziel einen in sich geschlossenen gesellschaftlichen Interaktionsrahmen. Vor diesem Hintergrund analysiert der Sozialwissenschaftler Dr. Thomas Kron: „Die Spieler können innerhalb des zeitlich begrenzten Spiels in soziale Rollen schlüpfen, die ihnen in der „wirklichen Gesellschaft“ aufgrund von Herkunft oder sozialem Status nicht zustehen.“ Mit anderen Worten: Gerade in Zeiten, in denen viele US-Amerikaner mit dem Börsencrash vom 24. Oktober 1929 ihr mühsam erspartes Vermögen verloren hatten, war das schamlose Schachern um Mieten, Macht und Moneten eine kurzfristige und regelgeleitete Ausflucht aus der allgemeinen Depression. Auch Randolph Barton, damaliger Präsident des Spielverlags Parker Brothers, meinte in der sozialpolitischen Situation der 30er Jahre einen Grund für den Verkaufserfolg zu erkennen: „Monopoly war eindeutig ein Kind seiner Zeit. Es gaukelte den Leuten vor, dass sie auch in der Realität mit dem Kauf und Verkauf von Grund und Boden ein Vermögen machen könnten.“
Hinzu kam, dass das Thema „Grundbesitz und wirtschaftliche Monopole“ zu dieser Zeit gesellschaftspolitisches Gesprächsthema war. Insbesondere die Thesen des amerikanischen Sozialreformers Henry George, Verfechter der „Single-Tax“ Theorie, wurden heiß diskutiert. George war der Meinung, dass Landeigentümer und Monopolisten mit Hilfe von Miete, Pacht und Zinsen den zivilisatorischen Wohlstand ausbeuten würden und dies die Grundursache von Armut sei. Barton dazu: „Es gab damals eine Menge Leute, die mit Grundstücksspielen handelten, aber Darrow war der Bursche, […] der die Dinge zusammengefügt hat“. Und Darrows Monopoly brachte es auf den Punkt: Das Spielziel von Monopoly war, und ist, die Mitspieler durch den Aufbau von Monopolen in den finanziellen Ruin zu treiben. Beruhte der Erfolg von Monopoly also darauf, dass es ein gesellschaftspolitischer Spiegel der Zeit war und für einen kurzen Moment die desolate eigene und gesamtwirtschaftliche Lage vergessen ließ?

Monopoly schafft den Sprung über den Atlantik
Aber warum wurde Monopoly auch in „good old Europe“ ein Verkaufsschlager? Sicher waren auch in Europa die wirtschaftlichen Vorzeichen zu dieser Zeit ebenso „günstig-ungünstig“ wie in der Monopoly Mutterstadt Atlantic City. Ein Boom an „spekulativen Grundstücksspielen“ war hingegen nicht zu verzeichnen. Der Dank für die europäische Monopoly-Expansion gebührt wohl dem englischen Spielkartenhersteller John Waddingtons – vielmehr dem Sohn des Verlagschefs, Norman Watson. Nachdem er von Parker ein Monopoly mit den Straßenzügen aus Atlantic City erhalten hatte, beauftragte ihn sein Vater, das Spiel in Hinblick auf eine Markteinführung in England zu testen. Watson junior war begeistert. Bevor Monopoly aber in Produktion ging, traf die Waddingtons Geschäftsführung eine Entscheidung, die den Erfolg des Spiels in Europa nachhaltig beeinflussen sollte: Watson war überzeugt, dass das Spiel weitaus mehr Anziehungskraft für die Engländer hätte, wenn die originären Atlantic City-Straßenzüge geändert würden. Das war die Geburtsstunde der ersten Monopoly-Variation mit Straßenzügen aus London, Bahnhöfen statt Eisenbahntrassen, englischen Pfund statt US-Dollar und inhaltlich geänderten Ereignis- und Gemeinschaftskarten. Die Idee, Prachtstraßen von nationaler Bedeutung kaufen zu können, war in Europa neu und sollte sich bis in die heutigen Tage, in denen es eine Vielzahl von nationalen, regionalen und Städteausgaben gibt, als Erfolgsfaktor behaupten können.
Ab hier hatte Monopoly leichtes Spiel: Waddingtons hatte zu diesem Zeitpunkt bereits viele Jahre Erfahrung in der Herstellung und dem Vertrieb von Kartenspielen und ausreichende Produktionskapazitäten. Mit dem Vertriebsargument des außergewöhnlichen Verkaufserfolgs in den USA und guten Handelsbeziehungen zu den englischen Warenhäusern hatte der Verlag alle Voraussetzungen für eine breite Markteinführung in Großbritannien in der Hand. Unter ähnlichen Vorzeichen konnte noch im selben Jahr die Europa-Expansion des Spiels ihren Lauf nehmen.

Monopoly: Vom „politischen Spiel“ zum Familienspiel-Klassiker
Trotz des nachhaltigen Erfolgs blieben die Parker Manager skeptisch, erwarteten sie nach zwei erfolgreichen Jahren doch einen baldigen Rückgang der Spielverkäufe. Und tatsächlich gingen die Zahlen 1936 zurück. Die geschäftsführenden Parker-Brüder stoppten kurz vor dem Weihnachtsgeschäft des Jahres 1936 „wegen der Wahrscheinlichkeit eines baldigen Verkaufseinbruchs“ die Monopoly Produktion. Doch bevor es so weit kommen konnte, zog der Verkauf wieder an, und es begann ein bis heute andauernder Siegeszug des Spiels. Das Phänomen Monopoly wollte sich einfach nicht an klassische Marktregeln halten. Bezeichnend auch, dass Spielkritiker Monopoly zu keinem Zeitpunkt für den großen Wurf hielten. Das Spiel konnte auch nie einen begehrten Spielepreis gewinnen. Aber was macht Monopoly bei Erwachsenen wie Kindern so beliebt und damit seit Generationen zu dem Familienspiel-Klassiker überhaupt? Eine Spurensuche im Heute …

Sicher: Das Spiel gilt als der Brettspielklassiker schlechthin und so resümiert Michael Weber, Fachjournalist des Fachmediums „Reich der Spiele“, „… dass so ziemlich jedem spielenden Menschen in seiner Spiel-Sozialisation einmal Monopoly auf den Tisch gekommen sein dürfte.“ „Die Brettspiellandschaft der damaligen Zeit war durch Spiele wie Domino, Backgammon, Schach, Mühle oder Dame geprägt, die jeweils seit Generationen im sozialen Kulturkreis der Nationen fest verankert waren“, weiß Tom Werneck, Gründungsmitglied der „Jury Spiel des Jahres“ und als Leiter des Bayerischen Spiele-Archivs Haar ausgewiesener Spielexperte. Monopoly war sozusagen das erste „Markenbrettspiel“, das eine solche internationale Verbreitung fand. Aber liegt der Erfolg im Heute tatsächlich in der einfachen Devise: „Jeder kennt es, jeder kann es?“ Jochen Corts, früheres, langjähriges Mitglied der „Jury Spiel des Jahres“, sieht es ähnlich: „Als Urväterchen aller Wirtschaftsspiele gehört Monopoly nun schon seit vielen Generationen zur Sozialisation deutscher Jugendlicher. Daran haben weder ein Verbot durch die Nazis im Dritten. Reich noch die Stigmatisierung durch ein deutsches Nachrichtenmagazin als ‚Dressurakt in Sachen Kapitalismus’ etwas zu ändern vermocht.“ Aber auch der soziale Monopoly-Aspekt ist nicht zu vernachlässigen. Corts weiter: „Einfach zu groß ist der Reiz, einen Teil des Spielplans in Besitz zu nehmen, sich dort als Häuslebauer zu betätigen und spätere Besucher kräftig zur Kasse zu bitten. Stets zwischen Hangen und Bangen, bloß nicht selbst auf Besitztümern der Konkurrenz vorzeitig in den Bankrott getrieben zu werden.“

Also doch die „Theorie des Spiels“. Wir schlüpfen in andere Rollen und müssen aufgrund des Spielcharakters keine Konsequenzen fürchten? Auch der ursprüngliche Ansatz der Monopoly Entstehungsgeschichte scheint heute nach wie vor relevant zu sein: „Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Rezession bietet das Monopoly Spiel eine Ersatzhandlung, um die Gier nach finanziellem Wohlstand ausleben zu können. Gewinnt man, stellt sich für einen kurzen Moment das Glücksgefühl des Reichtums ein – verliert man, tröstet die Tatsache, dass es sich doch nur um ein Spiel handelt“, erklärt Werneck. Vielleicht liegt der Monopoly Erfolg aber auch in seiner Mischung aus Glücks- und Strategiespiel begründet. Die Psychologin Joyce Brothers erklärte den Monopoly Erfolg so: „Das Spiel erfordert so viel Geschicklichkeit, dass sich der Sieger schmeicheln darf, der beste Spieler zu sein, und hängt doch insoweit vom Glück ab, als der Verlierer sein Pech auf die Würfel schieben kann“. Etwas ernsthafter preisen die „Profi-Spieler“ aus den Monopoly Clubs die Vorzüge der strategischen Komponente des Spiels. Hans-Günther Meyer, Monopoly-Veteran, deutscher Monopoly Meister und Vize-Weltmeister des Jahres 2000 erklärte in einem Journalisteninterview nach seinem Finalspiel zur deutschen Meisterschaft 2000: „Die Verhandlungen mit den Mitspielern über den Erwerb oder den Verkauf der Straßen während des laufenden Spiels machen den Reiz aus. Es ist wie im richtigen Leben: Wer sich hier übers Ohr hauen lässt, verliert!“ Monopoly – ein Spiel, das innerhalb des Regelwerks Freiräume für autonome Verhandlungen vorsieht? Auch Werneck erkennt hier einen besonderen Monopolyspiel-Effekt: „Die Monopoly-Regeln sind in besonderem Maße fehlertolerant. Bei keinem anderen Brettspiel gibt es so viele ‚Hausregeln’, wie bei Monopoly“. Eine Tatsache, den auch die Journalistin und Organisatorin der Monopoly Meisterschaften in Deutschland, Angela Rietdorf, bestätigt: „Bei den Vorausscheidungsturnieren zur deutschen Monopoly Meisterschaft ist es jedes Mal eine Herausforderung, den Teilnehmern die tatsächlichen Monopoly Regeln zu erklären. Es ist faszinierend, wie viele Regelvarianten die Leute zu Hause so spielen“.

Was auch immer das Erfolgsgeheimnis von Monopoly ist: Mit mehr als 750 Millionen Menschen auf der ganzen Welt, die bis heute schon einmal um Mieten, Macht und Moneten gefeilscht haben, hat sich Monopoly mit Fug und Recht einen Platz als Global-Player verdient.

 

 

 

 

 



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