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Monopoly Politisch
Vermutlich hat es kaum ein Spiel gegeben, das bei Kommunisten und
Nationalsozialisten derart verpönt war und ist wie Monopoly: Die
einen sehen in dem Schachern um Häuser, Grundstücke und Mieten das
Kapitalistenspiel schlechthin, die anderen lehnten es wegen seines
„jüdisch-spekulativen Charakters“ ab. Und in einigen Ländern der
Welt wie in China oder Nordkorea ist Monopoly noch heute nicht im
freien Handel erhältlich. Die ablehnende Haltung der
Nationalsozialisten zeigte sich bereits 1936 – ein Jahr nach der
Einführung in Deutschland -, als Joseph Goebbels das Spiel ums große
Geldeinheimsen aus vermeintlich „ideologischen“ Gründen verbieten
ließ. Auslöser dafür war aber wohl eher, dass die Übersetzer der
deutschen Monopoly-Version das Berliner Prominentenviertel
Schwanenwerder als Luxusmeile mit Wuchermieten auf den Spielplan
übertragen hatten. Der damalige Reichspropagandaminister dürfte sich
über die Posse der Übersetzer kaum gefreut haben, bewohnte er doch
eine Privatvilla in eben diesem Viertel. Das Verbot durch Goebbels
galt allerdings nicht für alle: Einige Exemplare des umstrittenen
Spiels sorgten bis weit nach Kriegsbeginn für zivile Siegesstimmung
in den Offizierskasinos.
Monopoly als Fluchthilfe
Während des Zweiten Weltkriegs erhielten das Spiel und besonders der
erlösende Satz auf der Gemeinschaftskarte „Du kommst aus dem
Gefängnis frei“ eine völlig andere Bedeutung: Das Rote Kreuz
verteilte in dieser Zeit englische Monopoly-Spiele an britische
Gefangene. Der Inhalt dieser Spiele unterschied sich aber stark von
dem klassischen Spiel. Denn statt Spielfiguren, Gemeinschaftskarten
und Spielbrettern enthielten die Packungen Fluchtpläne, falsche
Ausweise und Fluchtwerkzeuge. Außerdem wurden auch echte Geldscheine
für die Flüchtlinge unter das Monopoly Spielgeld gemischt, das die
Gefangenen sicherlich nicht zu spielerischen Zwecken nutzten.
Monopoly im Osten? Klar, aber Marke Eigenbau
Kommunisten und Sozialisten sind sich ebenfalls einig: Das Spiel um
Macht, Mieten und Moneten stachelt die „Raffgier“ an. So konnte sich
auch Josef Stalin wegen dessen angeblicher Dekadenz nicht mit dem
Monopoly-Spiel anfreunden. Seit der Machtübernahme durch Fidel
Castro ist das „typisch kapitalistische“ Machwerk auch in Kuba nicht
mehr erhältlich. Der neue Machthaber ließ das Spiel in allen
Geschäften der Republik aufkaufen und konfiszieren. Wie früh
Monopoly bei den Ostblock-Bürgern Anerkennung fand, zeigt die
Anekdote von 1959, als bei der American National Exhibition in
Moskau auf wundersame Weise alle sechs ausgestellten Spiele
verschwanden. Doch wahre Monopoly-Fans waren erfinderisch und fanden
Wege, trotzdem zu spielerischen Immobilienhaien zu werden: In vielen
Wohnsitzen der Ostblockstaaten waren deshalb versteckte
Monopoly-Exemplare der Marke Eigenbau zu finden. Und manche dieser
heimlich gefertigten Spiele zeigten einen regelrechten West-Trend:
„Du machst eine Reise in die USA. Zahle beim Reisebüro 3.000 Dollar“
stand auf einer selbst hergestellten Ereigniskarte.
Monopoly erobert den Ostblock
Als Tauwetter im Kalten Krieg herrschte und der Ostblock ab Mitte
der 80er Jahre langsam zerfiel, erschien 1988 das erste sowjetische
Monopoly. Nach Glasnost und Perestroika durfte nun auch in Moskau
offiziell geschachert werden. So kommentierte der frühere britische
Premierminister Edward Heath in Bezug auf Michail Gorbatschow: „Ich
hoffe, dass Gorbatschow Monopoly spielt und dann kauft, verhandelt
und einiges vom Gelernten in die Tat umsetzt.“ Durch das jahrelange
Verbot in den Ostblockstaaten hatte das Spiel einen regelrechten
Kultstatus erlangt. Als 1989 die Mauer fiel, die den sozialistischen
Osten vom kapitalistischen Westen Deutschlands trennte, setzte ein
Run auf Original-Monopoly-Spiele ein. Eine Umfrage, die Professor
Dr. Achim Hoffmann vom Leipziger Institut für Jugendforschung 1989
durchführte und 1.400 DDR-Jungendliche nach ihren Vorlieben
befragte, ergab Folgendes: Rund 60 Prozent der jungen Leute
favorisierten bundesdeutsche Spiele. „Und Monopoly führte diese
Hitliste an“, so Forscher Hoffmann.
Nur in Kuba, Nord-Korea, Nordvietnam und China liegen die bunten
Spielfelder nach wie vor brach – denn das spielerische
Geldeintreiben ist hier weiterhin verboten. Als logische Konsequenz
sind auf keiner offiziellen Meisterschaft - wie beispielsweise der
Weltmeisterschaft in Tokio in 2004 – Kubaner oder Bewohner dieser
asiatischen Staaten anzutreffen.
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