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Monopoly Planmäßig
Monopoly 1935: Von Atlantic City in die Welt
1935 tritt Monopoly auf den Plan! Ein Spielbrett, das die Welt
bedeutet: Nicht nur weil mehr als 750 Millionen Menschen in über 80
Ländern der Welt bereits vor einem Solchen für eine Runde Monopoly
Platz genommen haben. Auch weil kein anderes Spiel einen solchen
nationalen Bezug aufweist, wie das Karree mit den vier berühmten
Eckfeldern „Los“, „Gefängnis“, „Frei Parken“ und „Gehen Sie in das
Gefängnis“. Eben diese vier Eckfelder sind es, welche die
verschiedenen Monopoly-Spiele der Welt vereinen. Keine nationale-,
regionale- oder Themen-Edition kommt ohne die vier Merkmale aus.
Dabei war Monopoly bei seiner „Erfindung“ 1935 keineswegs so
angelegt, dass die Spieler in allen Kontinenten der Welt um jeweils
national bekannte Straßenzüge feilschen. Die Idee der nationalen
Variation kam erst bei der späteren Europa-Expansion des Spiels zum
Tragen.
Das Ur-Monopoly: Bis heute mit Fehlerteufel!
Die Ur-Version des Monopoly Spiels von Charles Darrow zeigt die
Straßenzüge des Vergnügungsviertels von Atlantic City - Amerikas
damaligem großen Ferienzentrum. Darrow fehlte aber noch ein einziges
Grundstück, um den Spielplan zu vervollständigen. Er wählte die
Straße eines anderen Viertels in der Nähe von Margate. Dabei
unterlief ihm aber ein folgenschwerer Irrtum: Auf das Feld der
heutigen, deutschen Goethestraße trug Darrow statt „Marven Gardens“
den Namen „Marvin Gardens“ auf den Spielplan ein. Obwohl die
Stadtväter von Atlantic City später immer wieder auf eine Änderung
der Stilblüte drängten, hält sich der Fehler bis heute wacker auf
den amerikanischen Spielbrettern. Dennoch würdigten die Stadtväter
von Atlantic City den Monopoly Erfinder nach seinem Tod 1967 mit
einer Gedenktafel. Passanten können seitdem an der Ecke Boardwalk
und Park Place Folgendes lesen: „Charles B. Darrow, 1899-1967,
Erfinder des Spiels Monopoly“.
Monopoly kommt nach Europa: Vom Pub ins Nobelviertel
Der Dank für die erste nationale Monopoly-Variation gebührt dem
englischen Spielkartenhersteller John Waddingtons Limited, der das
Spiel in England unter Lizenz nehmen sollte. Norman Watson, Sohn des
Verlagsleiters war nach einem Testspiel mit der Atlantic City
Version von dem Spielprinzip begeistert. Weitaus mehr
Anziehungskraft auf die Engländer prophezeite er aber, wenn die
originären Atlantic City Straßen in national Bekannte abgeändert
würden. Das war die Geburtsstunde der ersten Monopoly-Variation mit
Straßenzügen aus London, Bahnhöfen statt Eisenbahntrassen,
englischen Pfund statt US-Dollars und thematisch abgeänderten
Ereignis- und Gemeinschaftskarten. Auch in der ersten englischen
Edition hat sich ein bis heute erhaltendes Kuriosum eingeschlichen:
Marjory Phillips, der Sekretär der Firma Waddingtons, war mit der
Auswahl der Londoner Straßenzüge beauftragt worden. Ob er sich mit
dem Einfall, die Gaststätte „The Angel“ auf dem Spielbrett zu
verewigen, lebenslang Freibier sichern konnte, ist nicht bekannt.
Auf jeden Fall war „The Angel“ der Pub, in dem er jeden Mittag
seinen Lunch zu sich nahm. Damit blieb das Monopoly Großbritanniens
das einzige weltweit, auf dem eine Kneipe den Weg auf das Spielbrett
fand. Als Prunkstück des britischen Monopolys wurde der Stadtteil
Mayfair erwählt, in dem sich die Edelboutiquen der Oxford- und Bond
Street befinden – auf der Position der uns bekannten Parkstraße
führen die Engländer die Park Lane im Stadtteil Piccadilly. Das
„nationale Monopoly-Konzept“ setzte sich hiernach in ganz Europa
durch. Was für den Engländer sein Mayfair, wurde für den Franzosen
seine Pariser „Rue de la Paix“ und für den Spanier der „Paso del
Prado.“ In dem überwiegenden Teil der nationalen Monopoly-Spiele
sind die Straßen der jeweiligen Hauptstädte zu finden. Auch
Deutschland bildete hier keine Ausnahme. Das erste deutsche Monopoly
von 1935 „spielte“ in Berlin. Allerdings erlaubten sich die
Übersetzer in der Auswahl der Grundstücke ein „politisches
Augenzwinkern”, welches das deutsche Spiel bis heute dramatisch
verändern sollte.
Monopoly in Berlin: Das Goebbels-Verbot!
Auf der Position der teuren Nobelmeile fand sich in der deutschen
Monopoly Erstauflage die „Insel Schwanenwerder“. Vor dem politischen
Hintergrund der Zeit war dies eine durchaus provokante Aussage.
Schon im März 1933 hissten Mitglieder eines Zehlendorfer SA-Sturms
auf dem Wasserturm der Berliner Insel eine Hakenkreuzfahne, um die
jüdischen Bewohner zu provozieren. Sowohl einzelne prominente
Nationalsozialisten als auch NS-Massenorganisationen strebten auf
die Insel. Die jüdischen Besitzer wurden durch Zwangsverkäufe und
-versteigerungen ihres Eigentums beraubt. Prominentester Profiteur:
Propagandaminister Joseph Goebbels. 1935 „erwarb“ der
Reichspropagandaminister das Grundstück Inselstraße 8/10 von
Bankdirektor Oskar Schlitter weit unter Wert. Drei Jahre später
brachte er auch das Nachbargrundstück, das dem emigrierten Bankier
Samuel Goldschmidt gehört hatte, für einen Spottpreis in seinen
Besitz. Goebbels ließ sich sein Anwesen pompös ausbauen und
veranstaltete rauschende Feste. Als Goebbels nunmehr „Insel
Schwanenwerder“ mit Wuchermieten auf den Monopoly Spielplan
übertragen fand, ließ er das Spiel 1936 kurzerhand verbieten.
Offiziell wurde der „jüdisch-spekulative Charakter“ des Spiels als
Grund für den Verkaufsstopp herangezogen.
Monopoly in Deutschland: Der zweite Versuch!
Die Wiedereinführung von Monopoly in Deutschland sollte hiernach bis
ins Jahr 1956 auf sich warten lassen. Mit der neuen Auflage kam
wiederum die Frage nach den Straßenzügen des deutschen Monopolys auf
den Plan. Hatten die europäischen Nachbarn stets die Prachtstraßen
ihrer Hauptstädte auf dem Spielbrett, wartete Bonn, das mit der
Bundestagsentscheidung vom 3. November 1949 als vorläufige
Bundeshauptstadt bestätigt wurde, kaum mit national bekannten
Straßenzügen auf. Dies und die Angst vor weiteren politischen
Fehlinterpretationen bewogen die Macher der deutschen Neuauflage
dazu, fiktive Straßenzüge für die deutsche Edition zu wählen, die
bis heute auf dem Spielplan zu finden sind. Damit hat Deutschland
gemeinsam mit Tunesien die einzige „fiktive“ nationale Monopoly
Edition weltweit.
Monopoly besiedelt die Welt
Das Konzept, Spieler um national bekannte Straßen und Grundstücke
feilschen zu lassen, wurde zu einem weltweiten Erfolg. Später
folgten dann auch Regional- und Lokalausgaben des Spielbretts. In 80
Ländern der Welt vertreten und in 26 verschiedenen Sprachen
übersetzt, ist Monopoly zum globalen Phänomen geworden. Von Japan
über Neuseeland bis nach Tansania wird in eigenen Landeseditionen um
Mieten, Macht und Moneten geschachert. Die Anzahl der regionalen und
lokalen Monopoly „Unterausgaben“ ist dabei noch zahlreicher. In
dieser Kategorie lassen sich weltweit über 200 verschiedene Monopoly
Ausgaben ausmachen. Allein in Deutschland sind mit Monopoly-Baden
Württemberg,
-Schleswig-Hostein, -Bayern, und Monopoly-Ruhrgebiet vier Regionen
vertreten. Darüber hinaus kommen im deutschsprachigen Raum noch 13
verschiedene Städteausgaben hinzu. So kommen etwa Frankfurter,
Münchener, Hamburger und Leipziger in den Genuss, um stadtbekannte
Sehenswürdigkeiten und Einkaufsmeilen zu feilschen.
Monopoly expandiert in andere “Geschäftsfelder”
Monopoly ist populär: Eine Marke, die in den Industrienationen einen
durchschnittlichen Bekanntheitsgrad von 85 bis 97 Prozent erreicht,
braucht auf neue Erweiterungsideen nicht lange zu warten. Warum
nicht Baseballspieler statt Badstraße kaufen und anstelle von Hotels
Sportstadien bauen? Allein im Monopoly Mutterland USA sind 29
verschiedene „Sport“-Monopolys im Handel. Von der „Boston Red Sox´s
Edition“ über die „Olympics Atlanta“-Ausgabe bis zur „Golf
2000“-Variante können Sportfans in allen denkbaren Sportarten mit
ihren Idolen Geschäfte machen. Auch in Deutschland kamen die
Anhänger des F.C. Bayern München in den Genuss ihrer eigenen
Sonderedition. Bald darauf folgten große Markenartikler, die in dem
allseits bekannten Brett eine geeignete, sympathische
Präsentationsfläche suchten und fanden. Die „Monopoly Coca
Cola-Edition“, die „Harley-Davidson Edition“ und die
„Corvette-Edition“ erfreuten Spieler wie Hersteller gleichermaßen.
Aber Monopoly sollte auch stets aktuell bleiben, so dass angesagte
Unterhaltungsthemen aus Kino- und Fernsehen nicht lange auf sich
warten ließen. Star Wars, Disney, Batman & Robin, Pokemon, X-Men,
Herr der Ringe, Duel Masters: Verschiedenste große und kleine Helden
der Filmgeschichte schafften den Weg auf den Spielparcours. Über 40
lizenzierte Themeneditionen sind derzeit im internationalen Handel.
Dabei so kuriose Stilblüten wie die „Elvis Collector´s Edition“, die
„Dog Edition“ oder eine „United States Army Edition“.
Auch in Deutschland sind aktuell neben dem klassischen Monopoly und
den Regional- und Städteausgaben sechs Editionen verfügbar:
„Monopoly Junior“, „Monopoly de Luxe“, „Monopoly Europa“, „Monopoly
Weltreise“, „Monopoly Disney“ und „Monopoly Duel Masters“.
Anlässlich des 70sten Monopoly Geburtstags kommt im Juni 2005 noch
ein besonderes Highlight hinzu: Mit „Monopoly HEUTE“ kehrt das Spiel
in die nationale Trendmetropole Berlin zurück. So hätte Monopoly
wohl ausgesehen, hätte Charles Darrow das Spiel erst heute für
Deutschland erfunden!
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