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Spielzeug
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Monopoly
Markenpolitisch
Wenn Wirtschaftsgelehrte eine „Marke“ als ein in der Psyche des
Konsumenten verankertes, unverwechselbares Vorstellungsbild von
einem Produkt verstehen, so wird sich kaum ein treffenderes Beispiel
in der weltweiten Brettspiellandschaft finden lassen als Monopoly.
Was sich zunächst banal liest, ist aber für die Marktstellung des
Spiels von nicht zu vernachlässigender ökonomischer Bedeutung,
erklärt die Stärke der Marke doch den weltweiten Erfolg. Die Marke
gibt dem Konsumenten eine Orientierungshilfe bei der Auswahl von
Produkten, ihr wird aufgrund ihrer Bekanntheit Vertrauen
entgegengebracht und sie gibt Sicherheit, die sich aus der
Qualitätsvermutung ergibt.
Mit anderen Worten: Monopoly kennt jeder, kann jeder spielen, und
deshalb kann man mit Monopoly in der abendlichen Spielerunde
eigentlich nichts falsch machen! Denn Monopoly polarisiert nicht. Im
Gegensatz zu anderen Brettspielen gibt es kaum Leute, die das
Monopolyspiel wirklich hassen, sie hassen bestenfalls Brettspiele an
sich. Der Sozialwissenschaftler Dr. Thomas Kron konstatiert nach dem
Erfolg von Monopoly befragt „… dass sich Monopoly als weltweiter
Interessenkonsens innerhalb der Familie etabliert hat – eine
Stellung, wie sie international einmalig und in Deutschland
allenfalls noch von „Mensch ärgere dich nicht!“ erreicht wird.
Und gerade Deutschland ist in diesem Punkt ein schwieriges Pflaster.
Denn wenn es um Brettspiele wie Monopoly geht, macht keine andere
Nation der Welt den Deutschen etwas vor: Die Bundesbürger sind
Weltmeister im Brettspielen. In keinem anderen Land der Welt wird
soviel Zeit in der geselligen Familienspielrunde verbracht und –
gemessen an der Einwohnerzahl - soviel Geld für Brettspiele
ausgegeben wie in Deutschland. Mit einem Anteil von durchschnittlich
14 Prozent am Gesamtspielwarenmarkt gehört der Bereich der
klassischen Brettspiele zu den drei führenden Umsatzsegmenten im
hiesigen Geschäft der spielerischen Freizeitgestaltung. Dabei kommt
dem Deutschen aber nicht alles auf den Tisch, was nur zwei Würfel
und ein bunt bedrucktes Spielfeld hat. Kaum ein Land verfügt über
eine derart lebhafte Landschaft an selbsterkorenen und tatsächlichen
Spielefachleuten wie Deutschland. Das Brettspiel ist
gesellschaftliches Thema und Bestandteil der kulturellen
Medienlandschaft. So wird Jahr für Jahr mit Spannung das Urteil der
„Jury Spiel des Jahres“ erwartet. Auszeichnungen wie der „Deutsche
Spielepreis“ und das Gütesiegel „Spiel des Jahres“ sind wesentlich
für den Erfolg oder Misserfolg eines neu eingeführten Brettspiels
verantwortlich. Monopoly konnte nie einen begehrten Preis gewinnen.
Neben prämierten Neuheiten ist der Markt aber auch durch klassische
Spielprinzipien und etablierte Marken geprägt. In konjunkturell
schwierigen Zeiten sind Kaufsicherheit und geringe
Erklärungsbedürftigkeit zu wesentlichen Erfolgsfaktoren für den
Produkterfolg geworden. Monopoly nimmt in diesem Bereich eine
exponierte Stellung ein: Die Marke hält kontinuierlich einen
Marktanteil von durchschnittlich vier Prozent am traditionellen
deutschen Spielemarkt. Betrachtet man den Bereich der klassischen
Familien-Brettspiele, führt Monopoly mit einem Viertel des
Gesamtumsatzes dieses Segment eindeutig an.
… und so fing die (Marken-) Geschichte an:
Die Marke Monopoly wurde bereits 1935 von dem US-amerikanischen
Spieleverlag Parker, unter dessen Logo das Spiel bis heute im
Spielwarenhandel steht, als geschütztes Warenzeichen eingetragen. Zu
diesem Zeitpunkt hatte der Verlag bereits innerhalb kürzester Zeit
20.000 Monopoly Spiele verkauft. Monopoly war aber nicht - wie sich
jetzt vielleicht vermuten ließe - von Anfang an eine Erfolgsstory.
Der Weg zu der ersten größeren Monopoly Auflage war steinig und mit
einigen wirtschaftlichen Risiken gepflastert. Charles Darrow,
arbeitsloser Heizungsbauingenieur aus Pennsylvania, der mitten in
der tiefen Depression der 30er-Jahre das Monopoly Spiel erfand,
musste sich entscheiden, ob er mit hohem Eigenproduktionsrisiko
fertigen oder seine Lizenzrechte an eine Spielefirma verkaufen
sollte. Darrow schrieb an Parker Brothers, die schon seit 50 Jahren
mit Spielen vertraut waren. Monopoly fiel jedoch durch das
firmeninterne Raster, und wurde aufgrund von „52 fundamentalen
Fehlern“ abgelehnt. Doch Darrow gab nicht auf und ließ auf eigene
Kosten 5000 Spiele produzieren, von denen 200 in das große New
Yorker Spielwarengeschäft F.A.O. Schwarz gelangten. Sally Barton,
Tochter von Parker-Gründer George Parker, entdeckte das Spiel dort
und wenige Tage später traf sich Sallys Mann Randolph Barton mit
Darrow. In der Folge erwarb Parker 1935 die Rechte an Monopoly.
Bereits Ende des ersten Jahres hatte Parker trotz anhaltender
Rezession mehr als eine Million Spiele verkauft. Als Darrow 1967 in
Ottsville mit 68 Jahren starb, hinterließ er seinen Erben ein
Millionenvermögen.
1935 schwappte die Monopoly Welle auch nach Europa – und zwar nach
Großbritannien. Wenig später waren auch die Deutschen vom
spielerischen Geldanhäufen begeistert: Monopoly kam hierzulande mit
Berliner Straßennamen daher, welche die Spieler mit Reichsmark
erwarben. 1936 ließ Goebbels Monopoly aus semitischen Gründen
verbieten.
Monopoly und seine Erfolge: Eine Marke erobert die Welt
Das spielerische Feilschen um Mieten, Monopole und Moneten ist aber
kein nationales Phänomen: Annähernd acht Millionen
Monopoly-Exemplare werden Jahr für Jahr in 80 Ländern der Welt
verkauft. Legte man die Spielbretter der Jahresproduktion
aneinander, könnte man damit annähernd die Fläche von Luxemburg
bedecken.
Monopoly ist das populärste und bestverkaufte Brettspiel der Welt.
Die Markenbekanntheit liegt in Europa bei über 80 Prozent - in den
USA bei über 97 Prozent. Mehr als die Hälfte aller Deutschen haben
schon einmal ein Monopolyspiel besessen, und in den 70 Jahren seit
der Erstauflage konnten weltweit 750 Millionen Menschen eine Partie
spielen. Insgesamt beläuft sich der Verkauf bisher auf mehr als 250
Millionen Spiele - in Deutschland waren es etwa 20 Millionen – und
damit wurden mehr als 8,25 Milliarden der bekannten grünen Häuser
gebaut.
Monopoly ist in 26 verschiedenen Sprachen erhältlich. Da wundert es
nicht, dass das Spiel als „Global Player“ Einzug in verschiedenste
Kulturkreise gehalten und hier Spuren hinterlassen hat.
In Deutschland ist Monopoly als eines der wenigen eingetragenen
Warenzeichen sogar im Duden vermerkt, in den Vereinigten Staaten hat
sich der Produktname so „verselbstständigt“, dass er seinen
Markenzeichenschutz verlor: 1983 bestätigte hier das Oberste
US-Bundesgericht den Urteilsspruch einer vorgelagerten Instanz,
wonach ein Markenzeichen dann seinen Schutz verliert, wenn es zum
„allgemeinen Gattungsbegriff“ geworden ist. Der Begriff Monopoly hat
in Deutschland sogar Einzug in den aktiven Wortschatz gehalten. Wann
immer geschachert, verhandelt und gezockt wird, kommt Monopoly als
Superlativ daher.
Monopoly: Eine Marke und seine Pflege
Monopoly ist ein (Marken-) Produkt und seine Markenidentität lebt
daher naturgegeben von seiner visuellen Darstellung – seinem Design.
Das kann zu einem Problem werden, gerade wenn die Geburtsstunde wie
bei Monopoly bereits 70 Jahre zurück liegt. Im Kern geht es darum,
mit der Marke - sozusagen „en vogue“ - den Zeitgeist aufzunehmen,
ohne dabei die Grundfeste der Markenidentität zu erschüttern. Kurz:
Alles ist wie immer, aber doch aktuell. Beobachtet man den
weltweiten Expansionszug des Monopoly Spiels, war dies in der ersten
Phase der (Marken-) Geschichte ein lösbares Problem, liegt die
Antwort quasi auf dem Spielbrett.
Denn Monopoly ist überall. In dem überwiegenden Teil der nationalen
Monopoly-Spiele sind die Straßen der jeweiligen Hauptstädte zu
finden. Was dem Franzosen seine Pariser „Rue de la Paix“, ist dem
Spanier der „Paso del Prado.“ Nur Deutschland ist die große
Ausnahme. Alle Straßen auf dem Spielbrett sind hierzulande fiktiver
Natur. Neben dem Monopoly-Klassiker gibt es noch diverse Regional-
und Städteausgaben. Die beiden Wissenschaftler Marie-Francoise
Fleury und Hervé Théry zählten bereits 2002 in ihrem Bericht "Le
succès mondial du Monopoly" weltweit 208 verschiedene Länder-,
Regional- und Städteeditionen. Aber Monopoly musste mit Beginn der
90er Jahre mehr werden als nur das Feilschen um Häuser und nationale
Straßenzüge, schien doch das Potential an Städten, Regionen und
Hauptstadteditionen erschöpft zu sein. Jetzt kamen Lizenzen und
aktuelle Zeitgeistthemen auf den Plan, und der latenten Gefahr einer
Verwässerung der Monopoly-Markenidentität musste vorgebeugt werden.
Die Lösung war so einfach wie unkonventionell: Die vier Eckfelder
„Los“, „Gefängnis“, „Frei Parken“ und „Gehen Sie in das Gefängnis“
wurden zum Wiedererkennungsmerkmal und damit zum Markenkern auf
allen Spielbrettern und Sondereditionen der Welt erkoren. Auch das
Spielsystem mit seinem Regelwerk durfte unter strenger Kontrolle der
Hasbro Konzernzentrale in den USA nur marginal verändert werden.
Allein 67 lizenzierte Monopoly Sondereditionen des Spieleklassikers
erschienen in den USA binnen des letzten Jahrzehnts - Europa brachte
es in acht Jahren immerhin auf 34 lizenzierte Themen-Monopolys.
Kuriose Stilblüten wie eine „Pedigree-Dog“ Edition oder eine „Coca
Cola“ Edition waren hier ebenso vertreten wie eine Vielzahl von
Sport- Monopoly-Variationen. Hier reichte das Spektrum von „Olympics
Atlanta“ über „Bass fishing“ (Barsch Fischen) bis zu der deutschen
„FC Bayern München“-Edition. Auch aktuelle gesellschaftliche Themen
wie die Kino-Editionen „Monopoly Star Wars“, „Monopoly Disney“ oder
„Monopoly Herr der Ringe“ spiegelten aktuelle Trends des
Zeitgeschehens wider. Mit den Ausgaben „Monopoly Weltreise“ oder
„Monopoly Europa“ wurde dann in den letzten Jahren das ursprüngliche
Spielprinzip des klassischen Grundbesitzerwerbs noch einmal in Form
einer spielerischen Sightseeing-Tour aufgenommen. Aber ganz egal, ob
nun die Pyramiden von Gizeh, Tarzans Baumhaus oder die Schlossallee
zum Kauf bereit stehen - Eins ist gewiss: Die vier Eckfelder „Los“,
„Gefängnis“, „Frei Parken“ und „Gehen Sie in das Gefängnis“ sind als
Wiedererkennungsmerkmale der Marke Monopoly auf allen Spielbrettern
und Sondereditionen des bekanntesten Gesellschaftsspiels der Welt
einheitlich vertreten.
Aktionen rund um die Marke Monopoly
Monopoly ist in aller Munde: Neben der klassischen Fernsehwerbung
setzen die Monopoly-Markenführer auf umfassende Promotions-Aktionen.
So führte der Fast-Food-Gigant McDonald´s die umfassendste Kampagne
in der Geschichte Deutschlands größter Schnellrestaurantkette
erfolgreich über Los. Dabei gingen in den 1.240 teilnehmenden
Filialen mehr als 24 Millionen Faltblätter des Monopoly Spielbretts
über die McDonald´s Theken. Wie im echten Spiel hieß es hier,
farblich zusammengehörige Straßenzüge zu sammeln, um statt Mieten
„satte“ Preise gewinnen zu können. Pressearbeit wie eine
Pressekonferenz mit Deutschlands fragwürdigstem
Immobilienspekulanten, Jürgen Schneider und PR-Events wie ein
Monopoly Event-Turnier auf der Zugspitze gehören ebenso zum
klassischen Marketing-Mix rund um Monopoly. Bestes Beispiel: Die
zwölfte offizielle Monopoly Weltmeisterschaft 2004. Alle vier Jahre
ist es soweit. Teilnehmer aus über 35 Nationen, die sich jeweils in
nationalen Vorausscheidungsterminen als Meister ihres Landes
erwiesen haben, kämpfen in einer Weltmetropole - 2004 war der
Austragungsort Tokio - um den Monopoly Weltmeistertitel und echte
15.140 US-Dollar Preisgeld. Dies entspricht genau dem
Spielgeld-Inhalt eines amerikanischen Monopoly Spiels.
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