|
Die Monopoly-Story
Charles Darrow hätte es sich wohl damals nicht träumen lassen: Der
arbeitslose Heizungsbau-Ingenieur und Erfinder des erfolgreichsten
Brettspiels aller Zeiten wurde dank Monopoly zum Millionär. Die
Entstehungs-Geschichte des Monopoly ist die klassische Verwirklichung
des amerikanischen Traums: Aus bescheidenen Verhältnissen stammend,
bescherte Darrow der Welt ein Spiel, das einen beispiellosen
Siegeszug antreten sollte.
Charles Darrow in der Monopoly-Küche
Aus der Not entstanden wurde das heute berühmte Spiel um Macht,
Mieten und Moneten ein Riesenerfolg. Mitten in der
Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre kreierte der damals arbeitslose
Heizungsbauingenieur Darrow das Jahrhundertspiel an seinem
Küchentisch. Der Amerikaner sägte aus Abfallholz Häuschen und
Hotels, die Besitzrechtskarten fertigte er aus Kartonabfällen, und
für die Spielsteine musste der Armreif seiner Frau herhalten. So
entstand in Germantown, Pennsylvania, mit Hilfe von Fingerhüten,
Garnrollen und Radiergummis der Vorläufer des heutigen Monopoly. Da
er schon viele Urlaube in Atlantic City verbracht hatte, zeichnete
der Erfinder einige Straßenzüge der Stadt auf ein rundes Wachstuch.
Die aufgemalten Straßen stammten alle aus demselben Viertel des
damals größten Ausflugsziels des Bundesstaates New Jersey und des
heutigen Zockerparadieses. Nur ein Name fehlte noch, und Darrow
wählte die Straße eines anderen Viertels in der Nähe von Margate.
Dabei trug er aber auf das Feld der Goethestraße auf dem heutigen
deutschen Spielbrett statt „Marven Gardens“ den Namen „Marvin
Gardens“ auf den Spielplan ein. Obwohl die Stadtväter von Atlantic
City später immer wieder auf eine Änderung drängten, hält sich der
Fehler bis heute wacker auf den heutigen amerikanischen
Spielbrettern.
Die Monopoly-Kunde verbreitet sich wie ein Lauffeuer
Im Freundeskreis fand das Spiel direkt solchen Anklang, dass Darrow
begann, pro Tag zwei Spiele herzustellen und sie für vier Dollar an
Bekannte zu verkaufen. Schon bald konnte er die Nachfrage der
handgefertigten Spiele nicht mehr decken, denn die Nachricht des
beliebten Spiels verbreitete sich über Mund-zu-Mund-Propaganda wie
ein Lauffeuer. Dank eines befreundeten Druckerei-Betreibers konnte
der Initiator des Spiels die Tagesproduktion bald auf sechs Spiele
erhöhen. Als John Wannamaker in Philadelphia 1934 als erstes
Warenhaus Monopoly einführte, musste sich der Vater des
erfolgreichsten Brettspiels aller Zeiten entscheiden: Sollte er
weiterhin selbst die Produktion mit Kostenrisiko erweitern oder die
Lizenzrechte an einen Spielwarenkonzern verkaufen?
Parker lehnt ab: 52 fundamentale Fehler
Darrow entschied sich für den Verkauf der Lizenzrechte und schrieb
an Parker Brothers. Diese durch George S. Parker in Salem gegründete
Spielefirma verfügte damals bereits über 52 Jahre Erfahrung im
Spielebereich. Die Spieleredaktion der Firma Parker Brothers lehnte
Monopoly 1933 aber einstimmig wegen 52 fundamentaler Fehler ab: Nach
ihren Vorstellungen durfte ein Spiel höchstens 45 Minuten dauern und
musste ein eindeutiges Ziel erkennen lassen. In den Augen der
Redakteure war jedoch das einzige erkennbare Ziel, die Mitspieler zu
ruinieren. Auch den Umgang mit Hypotheken, Mieten und Zinsen traute
man den potentiellen Käufern nicht zu.
Darrow ließ sich trotz großer Enttäuschung nicht entmutigen und
investierte selbst in das Spiel: Er ließ weitere 5.000 Exemplare
produzieren, 200 davon gelangten in das große New Yorker
Spielwarengeschäft F.A.O. Schwarz. So kam es, dass Sally Barton,
Tochter von Parker-Gründer George Parker, vom großen Erfolg
Monopolys erfuhr, als sie mit einer guten Freundin telefonierte.
Diese schwärmte von einem prächtigen neuen Spiel, das nur in einer
begrenzten Auflage zu erhalten sei. Sally erzählte die Geschichte
ihrem Mann Robert Barton, damals Präsident der Firma, der sich
direkt eine Ausgabe besorgte. Begeistert vom Spielprinzip nahm er
sofort Kontakt mit Darrow auf.
1935 – Parker erwirbt Monopoly-Rechte
Drei Tage später trafen sich Barton und Darrow im Flatiron-Building
in New York und wurden handelseinig: Parker erwarb die Monopoly
Lizenz und nahm das Spiel ins Sortiment auf. Dem Erwerb der Rechte
im Jahre 1935 folgte ein regelrechter Boom: Parker Brothers in Salem
erstickten in Anfragen und telegrafischen Aufträgen. Schon nach
kurzer Zeit produzierte Parker 20.000 Spiele pro Woche. Bereits am
Ende des ersten Jahres – als das Land sich weiterhin in der
Rezession befand – hatte Parker mehr als eine Million Spiele
verkauft! Darrow bereute seine Entscheidung trotzdem nie: „Ich habe
diese Vereinbarung gerne angenommen und meinen Entschluss nie
bereut.“
Schon 1935 schwappte die Monopoly Welle auch nach Europa – und zwar
zunächst nach Großbritannien. Wenig später begeisterten sich die
Deutschen ebenfalls am spielerischen Geldanhäufen. Hierzulande kam
Monopoly mit Berliner Straßennamen daher, welche die Spieler mit
Reichsmark erwarben. Das Spiel sorgte für viel Aufmerksam-keit, denn
die Nationalsozialisten lehnten es strikt ab. Goebbels ließ Monopoly
1936 wegen seines „jüdisch-spekulativen Charakters“ verbieten. Der
wahre Grund für das Verbot war aber wohl, dass die Übersetzer der
deutschen Monopoly-Version das Berliner Prominentenviertel
Schwanenwerder, in dem der Reichspropaganda-minister in einer
Privatvilla lebte, mit Wuchermieten auf den Spielplan übertrugen.
Goebbels war es anscheinend gar nicht recht, dass das Volk wusste,
wie luxuriös er lebte.
Auch andere Machthaber lehnten ein solch kapitalistisches Machwerk
ab. Im gesamten Ostblock existiert das Spiel offiziell erst seit
Ende der 80er Jahre. Das erste sowjetische Monopoly erschien 1988.
Bis heute kommen die Bewohner Kubas, Nord-Koreas und Chinas nicht
offiziell in den Genuss des spielerischen Geldeintreibens.
Gedenktafel in Atlantic City
1967 starb der dank Monopoly zum Millionär gewordene Charles Darrow
mit 68 Jahren in Ottsville und hinterließ seinen Erben ein
ansehnliches Vermögen. Auf der Gedenktafel, die Atlantic City ihm
1970 widmete, können Passanten seitdem an der Ecke Boardwalk und
Park Place Folgendes lesen: „Charles B. Darrow 1899-1967, Erfinder
des Spiels Monopoly“.
Der Erfolg rettete die Firma Parker vor dem Bankrott, denn durch die
allgemeine, schwierige Wirtschaftslage waren viele Existenzen
bedroht. „Monopoly war ein Geschenk des Himmels. Es rettete unsere
Firma, die nur ein paar Millimeter vom Abgrund entfernt war.
Monopoly war eindeutig ein Kind seiner Zeit. Es gaukelte den Leuten
vor, dass sie auch in der Realität mit dem Kauf und Verkauf von
Grund und Boden ein Vermögen machen könnten“, so der damalige
Präsident der Firma Robert Barton.
Parker blieb trotz des Riesenerfolgs skeptisch und erwartete nach
zwei erfolgreichen Jahren einen Abverkaufseinbruch: Das reine
Erwachsenenspiel sei zu schwierig für Kinder. Die Erfahrung lehrte
dem Konzern, dass die meisten Spiele bereits nach ein bis zwei
Jahren eingestellt werden mussten. Und tatsächlich ging der Verkauf
1936 zurück. George Parker ordnete kurz vor dem Weihnachtsgeschäft
des Jahres 1936 den Stopp der Monopoly Produktion „wegen der
Wahrscheinlichkeit eines baldigen Verkaufseinbruchs“ an. Doch bevor
es soweit kommen konnte, begann ein bis heute andauernder Siegeszug
des Spiels, und es wurde schnell deutlich, dass keine verlässlichen
Prognosen über den Erfolg des Spiels möglich waren. Schon bald war
Monopoly bei Erwachsenen wie Kindern sehr beliebt.
Wie sich Experten doch irren können! Seit der professionellen
Einführung auf dem amerikanischen Markt im Jahre 1935 wurden
weltweit über 250 Millionen Monopoly-Spiele verkauft. Etwa 750
Millionen Menschen haben seitdem Monopoly gespielt. Mittlerweile ist
der Familienspielklassiker in 80 Ländern und in 26 verschiedenen
Sprachen erhältlich. Und damit nicht genug: Unzählige Fans nahmen
seitdem an Meisterschaften teil, unter anderem an so kuriosen
Austragungsorten wie der Zugspitze. Eines der ersten von Darrow
angefertigten Exemplare wechselte vor einigen Jahren für immerhin
22.000 Dollar den Besitzer.
Aber ist das Spiel wirklich allein Charles Darrow zu verdanken? Die
Erfolgsgeschichte des arbeitslosen Heizungs-bauers geriet erst
Jahrzehnte später ins Wanken.
Elizabeth J. Magie – die Mutter von Monopoly?
1969 präsentierte Sid Sackson, ein amerikanischer Spieleexperte,
eine Patentamts-Fundsache: The Landlord’s Game, ein Vorläufer des
Monopoly. Der Streit entfachte sich aber erst 1976 vor dem
Bezirkgsgericht in San Francisco. Dort hatte sich der amerikanische
Wirtschaftsprofessor Ralph Anspach wegen Missbrauch des
Monopoly-Warenzeichens zu verantworten. Während des Verfahrens
sagten mehrere Personen aus, sie hätten Monopoly bereits 1910
gespielt. Hatte Darrow also abgekupfert? Bald fand man heraus, dass
eine gewisse Elizabeth J. Magie 1904 ein Patent (Patentnummer
748626) für ein Spiel namens „The Landlord’s Game“ erhielt. Das
Spielbrett ähnelte stark dem heutigen Monopoly: Auf jeder Seite
befanden sich neun rechteckige Felder, insgesamt 22 Eigentumsfelder,
dazu Gefängnis und Armenhaus. Ursprünglich von der Quäkerin
entworfen, um die antisoziale Struktur des Monopols aufzuzeigen,
wurde das Spiel 1924 erneut von Elizabeth Magie Phillips patentiert,
die wahrscheinlich inzwischen geheiratet hatte. Magie ließ ihr Spiel
nie produzieren - wem das Prinzip gefiel, musste sich sein eigenes
Spiel basteln. Im Laufe der Jahre entwickelten sich die Regeln
weiter, variierten die Straßennamen von Stadt zu Stadt. Bekam Darrow
so den Anstoß für sein Spiel?
Eine weitere Spielvariante erschien in den frühen 30er Jahren bei
der Knapp Electric Company unter dem Namen „Finance“. Der Erfinder
Dan Layman hatte am College das Magie Phillips Spiel gespielt.
Parker wollte sichergehen und kaufte Elisabeth Magie Phillips 1936
beide Patentrechte für 500 Dollar ab. Den Rechteverkauf hat Magie
nie bereut, war sie doch eine Anhängerin des Volkswirtschaftlers
Henry George, der Einzelsteuer für Grundbesitz und eine große
Bodenreform propagierte: „Hauptsache, die Single-Tax-Theorie bleibt
durch das Spiel im Gespräch.“
Eine andere, nur für den Eigenbedarf produzierte Monopoly-Version
kursierte 1930 in Atlantic City: Ruthie Thorpe Harvey erfand das
„Atlantic City Monopoly“.
Randolph Barton, einst Parker-Präsident, sah die
Entstehungsgeschichte trotz ihrer Irrungen und Wirrungen gelassen:
„Tatsache ist, dass es Charles Darrow war, der die Dinge
zusammengefügt hat, der das Spiel auf den Markt brachte, es erst
selbst und dann uns verkaufte. Es gab damals eine Menge Leute, die
mit Grundstücksspielen handelten, aber Darrow war der Bursche, der
mit seinem Spiel herauskam und, in bester Tradition des
amerikanischen Traums, sein Glück machte.“
1991 kaufte der amerikanische Spielwarenkonzern Hasbro das britische
Unternehmen Kenner-Parker-Tonka und damit die Rechte für Monopoly.
Monopoly – immer auf dem neusten Stand
Seit der Erstausgabe von Monopoly mit den Straßenzügen des
Zockerparadieses Atlantic City besitzt fast jedes Land sein eigenes
Spielbrett mit national bekannten Prachtstraßen. In Frankreich ist
die Pariser Rue de la Paix das, was in Spanien der Paso del Prado
und in den USA der Boardwalk ist. Nur die deutsche, klassische
Edition weist seit der Wiedereinführung nach dem Verbot durch die
Nationalsozialisten vollständig fiktive Namen auf. Im Laufe der
Jahre erschienen immer wieder neue Sondereditionen wie
beispielsweise eine Ausgabe für Blinde, regionale Editionen wie die
bayerische Version, Jubiläumsausgaben wie 50 und 60 Jahre Monopoly
sowie die Europa-Ausgabe und Monopoly Junior. Ende 2001 wurde auch
bei Monopoly auf die neue europäische Währung umgestellt: So lief im
November 2001 das letzte Exemplar mit D-Mark-Spielgeld vom Band.
Seitdem wird die Miete hierzulande in Euro kassiert. 2004 gab es ein
ganz besonderes Bonbon für Spieleliebhaber und Sammler: Mit dem
„neuen alten“ Monopoly Nostalgie, dessen Spielbrett dem deutschen
Original von 1935 nachempfunden ist, ist das Schwelgen in alten
Zeiten perfekt.
|