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Junker Jörg
Im Namen des Herrn unterwegs

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.06.2005 Beiträge: 4352

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Junker Jörg
Im Namen des Herrn unterwegs

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.06.2005 Beiträge: 4352

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Am nächsten Sonntag stellte Lisa überrascht fest, daß sie schon wieder auf dem Weg in die Kirche war. Erst jahrelang gar nicht, und jetzt zweimal kurz hintereinander. Willi hatte sie davon überzeugt, daß der gute Ausgang der Schneefahrt ein kurzes Dankgebet wert war. Und außerdem sollte der Pfarrer heute eine besondere Predigt halten.
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Junker Jörg
Im Namen des Herrn unterwegs

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.06.2005 Beiträge: 4352

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Das hatte sich offenbar herumgesprochen, dann dir Kirche war gut gefüllt. Willi und Lisa fanden gerade noch einen Platz in der letzten Reihe, bevor der Gottesdienst begann. Gespannt wartete Lisa auf die Predigt.
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Junker Jörg
Im Namen des Herrn unterwegs

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.06.2005 Beiträge: 4352

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Dann ging der Pfarrer endlich auf die Kanzel. Die Gemeinde wartete gespannt auf die Predigt...
Brüder und Schwestern in dem Herrn,
ich weiß, ihr wollt jetzt alle hör'n
ob ich mein Wort wohl eingehalten,
die Predigt dichtend zu gestalten.
Ja, liebe Leut, hier steh ich nun.
Ich hatte wirklich viel zu tun,
die Worte heut in Vers zu fassen.
Aber ich konnte es nicht lassen,
ich wollt es wenigstens versuchen -
ok, ich mußte ganz schön fluchen,
doch in der Zeitung war's geschrieben
drum ist es auch dabei geblieben.
Die Predigt soll euch Freude machen,
und trotzdem ist sie nicht zum Lachen,
vielmehr zum Grübeln, Stirne Runzeln,
ok, und manchmal auch zum Schmunzeln.
Die 10 Gebote sind das Thema,
und damit wohl auch das Dilemma,
der heutigen Bürokratie,
denn die erlaubte sicher nie,
daß man - und sei's mit Gottes Kraft -
ein handliches Gesetzbuch schafft,
das beinah allen Lebenslagen
und ferner allen wicht'gen Fragen
'ne Antwort gibt in klaren Sätzen,
verständlich, ohne zu verletzen.
Denn wäre sowas wirklich möglich
und würde überall und täglich
von den Behörden praktiziert,
könnt's sein daß folgendes passiert:
Viele Beamte, das wär schlüssig,
wär'n letzten Endes überflüssig.
Da schließen wir doch messerscharf,
daß nicht sein kann, was nicht sein darf.
So nimmt die Predigt ihren Lauf
und wir schau'n in den Himmel rauf:
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Junker Jörg
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Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.06.2005 Beiträge: 4352

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Dort lehnt der Moses sich zurück
und auf die Erde fällt sein Blick.
Grad kommt Gott Vater auch vorbei
und Mose sagt nur „Ei, ei, ei!
Guck ich da runter, kommt die Wut,
ach Gott es ist schon wirklich gut,
daß deine 10 Gebote heut
in trocknen Tüchern, denn zur Zeit
da ginge sowas nie und nimmer -
schau's dir doch an - 's wird immer schlimmer!“
Gott Vater blickt den Mose an
und fragt: „Was meinst du damit, Mann?“
„Ich mein,“ sagt Mose drauf bedächtig,
„die Menschen würden eigenmächtig
an deinem Werke rumprobieren
und vor sich hin dilettantieren,
dort wird gekürzt, hier abgezweigt,
bis schließlich nichts mehr übrigbliebt!!
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Junker Jörg
Im Namen des Herrn unterwegs

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.06.2005 Beiträge: 4352

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Als erstes käm die FDP,
höb ihren Finger, spräch ne, ne!
Gebote, das klingt viel zu streng,
ich glaub, das ändern wir aweng.
Wir woll'n doch Freude, Gaudi, Spaß,
da mach'mer lieber keinen naß
und nennen sie - das hebt die Quote -
ganz unaufdringlich „Angebote“.
Das klingt viel freundlicher, adretter,
viel unverbindlicher und netter!
10 Angebote - gut und schön,
ja, so lassen wir das steh'n!
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Junker Jörg
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Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.06.2005 Beiträge: 4352

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Als nächstes höb wohl ganz gewandt
die CSU gleich ihre Hand.
Nicht stehlen, also die Devise,
die ist doch reichlich unpräzise!
Ich führ als Beispiel nur ins Feld
das klitzekleine bißchen Geld,
die Abfindung für Firmenbosse
und ihre gutbetuchten Trosse,
damit sie schnell und ohne Klagen
und ohne daß zu viele fragen
gehn. Damit man Mannesmann
preisgünstig übernehmen kann.
Und dieses Geld rechnet man munter
dann noch von seiner Steuer runter.
Ist voll legal und nicht verboten
für solche - und ganz andre Schoten
zahlt ja der Bürger Steuern ein.
Ich frag: Wie sollte das wohl sein,
käm jemand, wollt' sich's wiederholen
und spräch dabei: das wär' gestohlen?
Ja, so würde es wohl sein,
schon waren's der Gebote 9.
Das 7. Gebot Du sollst nicht stehlen! |

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Junker Jörg
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Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.06.2005 Beiträge: 4352

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Und auch die SPD-Genossen
die höben fleißig ihre Flossen.
Sollst nicht begehr'n, was and're haben,
die sich in ihrem Wohlstand laben.
Das dürfen wir wohl so nicht lassen!
Wo blieb der Kampf der Menschenklassen?
Was wär, wenn jeder glücklich spielte
und niemand nach mehr Wohlstand schielte!
Die zwei Gebote sind nicht gut,
drum weg mit ihnen! Auf! Nur Mut!
So wird noch einmal umgeschrieben -
es bleiben der Gebote sieben.
Das 9. & 10. Gebot Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Haus, Frau, Knecht, Magd, Vieh, noch alles, was sein ist. |

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Junker Jörg
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Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.06.2005 Beiträge: 4352

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Und auch die Grünen hör ich sprechen:
Was nu, man soll nicht ehebrechen?!
Die Ehe ist in unserm Land
doch ohnehin ein Zweckverband,
sie ist ein stetes Auf und Nieder,
man liebt sich, zofft, verträgt sich wieder
und löst Probleme - jede Wette -
die man alleine gar nicht hätte.
Sie brachte manchen schon ins Grab,
drum schaffen wir die Ehe ab.
Und lassen wir die Ehe weichen,
dann tun auch 6 Gebote reichen!
Das 6. Gebot Du sollst nicht ehebrechen! |

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Junker Jörg
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Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.06.2005 Beiträge: 4352

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Auch unsre Lehrer, ganz behende,
höben eifrig ihre Hände.
Das mit dem Zeugnis ist gefährlich,
wer denkt schon - seien wir mal ehrlich
dabei an Martin Luthers Wort:
Du sollst niemals, an keinem Ort
von deinem Nächsten Schlechtes sprechen,
vielmehr für ihn 'ne Lanze brechen!
Denn das wär des Gebotes Wesen,
im Katechismus nachzulesen,
statt dessen prügelt Groß und Klein
bei „Zeugnis“ auf uns Lehrer ein!
Das grenzt ja schon fast an Rufmord,
drum muß dieses Gebot flugs fort!
Brauchst - Herr Gott - nicht die Nas zu rümpfen,
mußt glücklich sein mit diesen Fünfen!
Das 8. Gebot - mit der Auslegung aus Martin Luthers Kleinem Katechismus Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen nächsten.
Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unsern Nächsten nicht belügen, verraten, verleumden oder seinen |

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Junker Jörg
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Die Jäger nun, die Waidmannsmeute
die spräch als nächstes: Liebe Leute!
Dieses Gebot da mit dem Töten,
ist das denn wirklich so von Nöten.
Denn schaut mal her auf unsere Zunft:
Na klar, wir töten, doch mit Vernunft.
Die Alten müssen Jungen weichen,
soll's Futter noch für alle reichen,
und schließlich dürft IHR nicht vergessen:
Ihr wollt ja auch den Braten essen!
Und auch die Autoindustrie
spräch: Töten, nein, das woll'n wir nie.
Doch kannst du alles polstern, mindern
und wirst es trotzdem nicht verhindern,
daß plötzlich tödlich kleben bleibe
die Fliege auf der Windschutzscheibe.
Drum fordern wir heut, jetzt und hier,
mach aus den Geboten vier!
Das 5. Gebot Du sollst nicht töten! |

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Junker Jörg
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Und auch die Jugend tät nicht schweigen,
will schließlich auch mal Flagge zeigen.
Die Alten ehr'n? Wer soll des checken,
wo die uns doch an allen Ecken
bespitzeln und rumkommandieren,
ja manchmal arg auch drangsalieren
mit Hausaufgaben, Schulgehpflicht
mit „Lerne fleißig, schlamp're nicht!“
Godd Vadder des kannst voll vergessn,
da gemmer lieber Döneressen.
Doch woll'n wir's andrerseits jetzt wagen
den Alten auch mal was zu sagen:
Denn ihr soll schließlich - bitte schön,
auch mal nach euren Kindern seh'n!
Mit ihnen spielen, herzen, toben,
sie für ihre Erfolge loben.
Denn nur wer Zeit hat für sein Kind,
es nicht abfertigt ganz geschwind,
es nicht zum Fernseher abschiebt,
der zeigt, daß er es wirklich liebt.
Drum: Nur die Jungen mahnen, das ist schlecht
und es ist wirklich nicht gerecht.
Gott Vater du mußt doch einseh'n
das Gebot kann so nicht besteh'n
Das 4. Gebot Du sollst Vater und Mutter ehren, auf daß es dir wohlergehe und du lange lebes auf Erden! |

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Junker Jörg
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Es bleiben nur noch drei Gebote,
das ist - weiß Du - 'ne schlechte Quote!
Und außerdem, das sag ich dir,
die Kritik endet längst nicht hier.
Den Feiertag zu heiligen,
das ist nichts für die Eiligen.
Wir müssen auch am Sonntag schaffen
und alles Geld zusammenraffen,
wir woll'n am Feiertag auch rennen
und lassen wirklich nichts anbrennen.
Drum gib das Autowaschen frei,
erlaub' auch die Einkauferei,
denn sonntags durch den Aldi hetzen,
tut den Spaziergang glatt ersetzen.
Der Preßlufthammer niemand stört,
ist's rechte Feiertagskonzert,
der Sonntag ist erst richtig schön,
muß ich nicht die Verwandschaft seh'n!
Schwups - mit der Trias wär's vorbei,
es blieben der Gebote zwei.
Das 3. Gebot Du sollst den Feiertag heiligen! |

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Junker Jörg
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Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.06.2005 Beiträge: 4352

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Dann käme das Patentam an,
und spräch: Gott Vater, lieber Mann,
Du willst hier deinen Namen schützen,
vergiß es, das wird dir nix nützen.
Zwar stimmt's, daß man dich so verehrt,
sich zum Allmächtigen bekehrt,
mit Heilige Dreifaltigkeit,
meint man dich - wirklich, weltenweit,
doch bitt ich dich vor dieser Runde:
Zeig mir mal die Patenturkunde!
Wie? Hast du nicht? Oh, das ist dumm!
Dann ist der Namensschutz wohl rum!
Denn schon - das will ich dir verraten -
gibt's nicht nur in den US-Staaten
Sekten, Kirchen, Gruppen, Kreise,
die füll'n den Namen auf ihre Weise
und richten damit - Mann oh Mann -
fai wirklich großen Schaden an.
Die führ'n in deinem Namen Kriege
und legen's dir dann in die Wiege,
Das wäre alles kein Problem,
denn hätt'st du damals ehedem
vor deinem großen Abendessen
den Formularsatz nicht vergessen
wär heut dein guter Name dein -
aber, das hat nicht sollen sein.
Der Schutz, nein das kann so nicht geh'n!
Es bleibt nur ein Gebot besteh'n.
Das 2. Gebot Du sollst den Namen des Herrn, Deines Gottes nicht unnütz führen, der der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht. |

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Und selbst das letzte wird im Nu
kassiert - und zwar von der EU.
Da gibt's genügend Bürokraten,
die lang auf diese Chance schon warten,
die grad in diesen harten Tagen,
dir gerne diese Sätze sagen:
Gott Vater sag uns, was das soll,
du forderst hier ein Monopol!
's darf keinen geben neben dir,
das sehen wir ganz anders hier!
Da wär'n die anderen Religionen,
die Sektengurus, die hier wohnen,
da wär der Sport, die Fußballtempel,
das Geld, die Wirtschaft, all der Krempel
der unser Leben schöner macht
und gott-gleich sein soll Tag und Nacht.
Wir müssen fair sein und neutral
drum stell'n wir ein für alle Mal
klar, daß dieses Christentum
und auch sein Evangelium
sich Freigeist, Sport, Konsumgenuß
fai bitte unterordnen muß!
Drum fordern wir mit aller Kraft,
daß dies Gebot wird abgeschafft.
Das 1. Gebot Ich bin der Herr, Dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir! |

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