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Junker Jörg
Im Namen des Herrn unterwegs


Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.06.2005 Beiträge: 4352

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Schon früh am Abend war der Nebel vom See heraufgezogen und hatte die Straßen in ein fahles Licht getaucht. Es war wieder einer der Abende, an dem die Bewohner des Städtchens froh waren, nach getanem Tagwerk die Türen ihrer Häuser schließen und die schweren Riegel vorschieben zu können.
Seit drei Monaten ging die Angst um, in diesen Nächten. Seit drei Monaten kamen die Schritte mit dem Nebel, die durch die verlassenen Straßen hallten und Unheil zu verkünden schienen. Seit drei Monaten nun durchzog die Angst mit dem Nebel die Gassen der Stadt.
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Junker Jörg
Im Namen des Herrn unterwegs


Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.06.2005 Beiträge: 4352

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„Hört Ihr Leut und laßt euch sagen,
auch wenn die Uhr noch nicht geschlagen,
der Nebel zieht durch unsere Gassen,
die solltet schleunigst ihr verlassen...“
Der junge Nachtwächter hatte seinen Sinn für Humor noch nicht verloren und seinen Abendgesang den Nebelnächten angepaßt. Er konnte nicht glauben, was man im Ort erzählte. Er wollte nicht vor einem Spuk davonlaufen, den niemand überhaupt zu Gesicht bekommen hatte. Vor allem aber wollte er nicht als Feigling dastehen und sich nachsagen lassen, er hätte seinen Beruf verfehlt und lieber Maurer werden sollen. Und so drehte er seine Runde. Nicht furcht-, wohl aber ahnungslos. Auch an jenem Abend.
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Junker Jörg
Im Namen des Herrn unterwegs


Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.06.2005 Beiträge: 4352

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„Für alle gilt dein Ruf, Nerwal, nur du selbst willst ihn nicht hören!“, polterte es plötzlich von einem der Balkone der Patrizierhäuser. Der alte Rasmus war in die kühle Abendluft getreten. „Schau daß du heimkommst, bevor du der Nächste bist, den es erwischt!“
„Ach Rasmus,“ lachte Nerwal zurück, „was soll schon passieren? Ich bin der Nachtwächter. Dem Nachtwächter tut kein Mensch etwas. Das weißt Du doch!“
„Kein Mensch vielleicht, aber wer sagt dir denn, daß es ein Mensch ist?“, brummelte Rasmus, bevor er sich zurückzog und die Türe fest hinter sich schloß.
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Junker Jörg
Im Namen des Herrn unterwegs


Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.06.2005 Beiträge: 4352

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„Er hat Recht, Nerwal. Du solltest ins Haus gehen. Es wäre schade, wenn du der Nächste wärst!“
Nerwal hob seinen Blick. Oben auf dem Balkon ihres Hauses stand Linda. Ohne Zweifel war sie eine der schönsten Frauen des Ortes und Nerwal tat alles, um ihre Aufmerksamkeit zu erregen - auch wenn es hieß, bei Nacht und Nebel durch die unsicheren Straßen zu ziehen.
„Und jetzt erzähl mir nicht, daß du keine Angst hättest! Ich weiß, daß du nur noch deshalb draußen bist, weil du mir gefallen willst. Aber das tust du viel mehr, wenn ich dich lebend zu einer Tasse Tee einladen darf - anstatt dich morgen entstellt in irgendeiner Gasse finden zu müssen...“
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Junker Jörg
Im Namen des Herrn unterwegs


Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.06.2005 Beiträge: 4352

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Wenn es so ist , dachte Nerwal bei sich, dann hat sich meine Runde doch noch gelohnt! Die heimliche Angst, die an diesem wie an jedem anderen Nebelabend sein Begleiter war, hätte er nie eingestanden. Nicht sich und noch viel weniger Linda.
„Komm rein, die Tür ist offen, Nerwal,“ rief sie ihm zu, während sie ins Haus zurückging.
Nerwal schritt auf die Haustür zu, als er ihn plötzlich hörte. Zunächst leise, dann immer lauter. Er war wieder da, der pochende Schritt, der durch die nebligen Gassen und Straßen hallte.
Unwillkürlich beschleunigte der Nachtwächter seinen Schritt, und auch der Unbekannte schien jetzt schneller zu gehen. Je näher Nerwal der Haustür kam, desto lauter drangen die hallenden Schritte an sein Ohr. Er hatte die Tür erreicht, sie war offen, wie Linda es gesagt hatte. Nerwal trat ein und meinte zugleich, bereits den Atem des Unbekannte im Nacken zu spüren. Er blieb auf der Schwelle stehen und zögerte. Die Sicherheit im Inneren gegen das Wissen der Straße abwägend drehte er sich um und blickte zurück. Hinter sich hörte er Lindas Schritte die Treppe hinabkommen, während er in die neblige Nacht blickte. Und was er da sah, ließ ihm den Atem stocken - und Linda leise aufschreien...
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Tzorn
nicht mehr wegzudenken

 Alter: 36 Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 01.06.2003 Beiträge: 380
Wohnort: bei den Schwaben

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Gib zu, das war Deine letzte Sonntagspredigt.
Und jeder, der die Auflösung wissen will, muss nächsten Sonntag in Deine Kirche kommen, Du Schlawiner.
Sehr spannend gemacht... wir haben hier auf dem Board doch so einige Talente.
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Darklord
of Math

 Alter: 39 Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 18.10.2005 Beiträge: 1273
Wohnort: Nord-Ost-Hessen

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Hi Hochwürden!
Das ist ja super gemacht! Genialer Cliffhanger!
Bitte bald mehr!
Nur der "junge Nachtwächter" mit grauen Haaren und grauem Bart hat mich etwas erstaunt! Hat der vor Angst schon graue Haare bekommen?
Gruß, Dunkeldurchlaucht
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casuti
nicht mehr wegzudenken

 Alter: 38 Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 27.04.2006 Beiträge: 245
Wohnort: Köln

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Taptaptap, wer schleicht da durch die Gassen?
Tolle Bildeffekte.... bin schon gespannt wie´s weitergeht!
Super!
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Tzorn
nicht mehr wegzudenken

 Alter: 36 Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 01.06.2003 Beiträge: 380
Wohnort: bei den Schwaben

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Ich tippe auf den Dorfpfarrer!
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wicki
Playmobil besessen

 Alter: 33 Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 13.07.2004 Beiträge: 584
Wohnort: Nagel im Fichtelgebirge

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Hallo Stefan,
seeehr Spannend.
Aber ich weiß es, ich weiß es. Es ist das "He He Mannl".
Hoffentlich gehts bald weiter.
LG wicki
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Vauban
Chronist Mittlands

 Alter: 39 Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 22.11.2005 Beiträge: 2221
Wohnort: Duisburg

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Wow, noch ein Nebel des Grauens...
Starke Fotos!!!
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Caro
Stammgast

 Alter: 32 Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 18.01.2006 Beiträge: 82
Wohnort: Raum Aschaffenburg

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Echt SUPER-spannend!!! Hoffe Du machst bald weiter, denn ich brenne drauf zu erfahren wie es weitergeht!
Wie hast Du denn den Nebel hingekriegt? Einfach die Stadt im Raucherzimmer aufgebaut u. geknipst?
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Lucretia
Only The Strong Survive

 Alter: 36 Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 22.02.2005 Beiträge: 2089
Wohnort: NRW

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Hallo Junker Jörg,
sehr spannende Geschichte, aber bitte, bitte schnell weitererzählen. Ich bin kein Freund von Kliffhangern...
Liebe Grüße
Luretia
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Junker Jörg
Im Namen des Herrn unterwegs


Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.06.2005 Beiträge: 4352

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Nerwal spürte die Hand auf seiner Schulter.
„Das glaub ich nicht...“, flüsterte Lind atemlos. „Es gibt ihn wirklich!“
„Ja,“ gab Nerwal zurück, „aber wer ist er - oder besser, was?“
Mit angehaltenem Atem starrten die beiden auf die dunkle Gasse.
Die schwarze Gestalt nahm keine Notiz von dem Nachtwächter und seiner hübschen Gastgeberin. Zielsicher schritt sie durch die nebelverhangene Dunkelheit, vorbei an den Häusern der Patrizier. Sie hatte ein Ziel, und von dem ließ sie sich nicht abbringen. Die Nächte des Wartens, die Nächte in denen die Schritte gegangen waren, ohne daß etwas passiert wäre, sollten vorbei sein. In dieser Nacht sollte es weit sein.
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Junker Jörg
Im Namen des Herrn unterwegs


Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.06.2005 Beiträge: 4352

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Als die Schritte verstummten, breitete sich eine unheimliche Stille in den Gassen aus. Die verhüllte Gestalt hatte ihr Ziel erreicht. Sie stand vor dem schweren Burgtor. Langsam glitt ihr Blick an den Mauern der Festung hinauf, doch sie konnte niemanden entdecken. Keine Wachen schienen in dieser Nacht auf ihrem Posten zu sein, kein Licht drang aus den Fenstern oder Schießscharten. Diese Nacht sollte die Nacht der Nächte werden.
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