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Die Mittlandsaga (Teil I) - Zeit der Lilien

B 1001.jpg Nach einer Erzählung des Portal Mitgliedes Vauban, der Chronist Mittlands. Die original Geschichte ist im Forum nachzulesen.

Kapitel I:

Die Geschehnisse, von denen ich berichten will, ereigneten sich vor vielen Jahren in einem weit entfernten Land. Es war ein glückliches Land, weise und gerecht regiert von seinem König Juron. Ihm zur Seite standen seine wundervolle Gemahlin Aetera und sein Erstgeborener, Prinz Turid, ein aufrechter junger Mann. Noch im hohen Alter hatte die Königin ihrem Mann einen zweiten Sohn geboren. Als unsere Geschichte beginnt, ist dieser noch kein Jahr alt und wird von seiner Familie und seiner Amme umhegt und verwöhnt.

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Das Königreich war nicht sehr groß, aber seine Böden waren fruchtbar, die Flüsse voller Fische und die Tiere der Wälder schienen unzählbar zu sein. Die Bauern fuhren im Herbst stets eine gute Ernte ein, und die Jäger kamen nie ohne Beute nach Hause.
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Es wurde aber nur soviel Land bebaut, wie nötig, und kein Tier wurde erlegt, das nicht zum Essen dienen sollte. So lebten seine Bewohner glücklich und zufrieden, achteten ihren König und zahlten ihm eine geringe Steuer.
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Der König war gut Freund mit seinen Nachbarn und unterhielt nur eine kleine Armee. Unterstützt wurde er von seinen Rittern, sechs an der Zahl. Ebenso wie ihr König waren sie in Stadt und Land geachtet, denn sie waren gerecht und edel. Sie sprachen Recht, schlichteten Streit und sorgten dafür, dass die Straßen sicher waren.
 
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Eines Tages geschah es, dass umherziehende Schauspieler, die mit ihrer Musik, ihrer Akrobatik und ihrem Spiel die Leute unterhielten, in einem Dorf einkehrten. Eigentlich war es nur ein kleiner Weiler, bestand er doch nur aus ein paar Häusern, einer Kapelle und einem Gasthaus.

 
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Mit allerlei Kunststücken und Gaukeleien erfreuten sie die Menschen und ernteten als Dank zu essen und zu trinken. Sogar ein paar Kupferstücke fanden den Weg zu den Schaustellern. Die Menschen genossen die Abwechslung und hörten auch Neuigkeiten aus den Städten und den anderen Dörfern.
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Vor einiger Zeit hatten die Schauspieler am Wegesrand einen seltsamen Mann getroffen, der sie seitdem begleitete. Er saß im roten Wagen der Schausteller, ohne dem vergnügten Geschehen Beachtung zu schenken.
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Er war ein alter Mann. Die Jahre hatten seinen Haare grau gefärbt, Frisur und Bart waren zerzaust. Ein Auge hatte er verloren, eine schwarze Kappe deckte die leere Höhle ab. Als Hut trug er den Schädel eines Wolfes, dessen Fell dem Alten als Mantel diente. Ein schwarzes Medaillon, das einem Wolfskopf glich, hielt seine Kleider zusammen.
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Nach einer Weile beendeten die Schauspieler ihre Vorstellung. Als sich die Menge zerstreute, kam die Tänzerin zu dem Alten und sprach zu ihm, „wir werden heute Nacht hier bleiben. Es ist zu spät, um weiter zu fahren. Komm mit uns ins Gasthaus. Trink und iss mit uns, wir wurden heute gut entlohnt.“ Der Alte nickte stumm, erhob sich erstaunlich geschmeidig und folgte der jungen Tänzerin zum Gasthof. Misstrauisch sah er zum Waldrand, als sich dort krächzend ein Schwarm Raben in die Luft erhob.
 
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Der Schankraum war voller Menschen. Die Schauspieler drückten sich in eine Ecke, und die hübsche Tochter des Wirtes brachte ihnen Brot, warme Gemüsesuppe und kaltes Bier. Gierig machten sie sich ans Essen.
 
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„Nun alter Mann“, begann Irin, der Wortführer der Reisenden, „wie mir die netten Leute hier erzählt haben, findet in Kürze an der Lilienburg das Große Turnier statt. Die Leute werden von Nah und Fern zu diesem Turnier strömen. Der junge Prinz Turid wird zum ersten Mal daran teilnehmen. Wir haben beschlossen, dass dies unser nächstes Ziel sein wird. Wirst du uns auch dorthin begleiten?“
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Durchdringend sah der Einäugige sein Gegenüber an. Dann antwortete er mit fester Stimme. „Ich weiß nicht, wohin mein Weg mich führen wird. Ein Ort ist so gut wie der andere und das Schicksal findet mich überall. Ich bleibe euer Gefährte und danke für eure Freundschaft.“ „Gut, somit ist es beschlossen. Ich freue mich, dass du bei uns bleibst. Seitdem wir dich mitnahmen, wurden wir nicht mehr belästigt, und wir haben immer gut verdient. Du bringst uns Glück, alter Mann.“

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