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Die Mittlandsaga (Teil I) - Zeit der Lilien

B 1013.jpg Zurück zu Kapitel I

Nach einer Erzählung des Portal Mitgliedes Vauban, der Chronist Mittlands. Die original Geschichte ist im Forum nachzulesen.

Kapitel II:


Am nächsten Morgen brach die kleine Gruppe in aller Frühe auf, verabschiedete sich vom Gastwirt und seiner Frau und zog in Richtung der Hauptstadt weiter. Sie fuhren über schmale Wege entlang weiter Felder. Um sich die Reisezeit zu verkürzen, sangen sie fröhliche Lieder, und am Ende des dritten Tages sahen sie endlich am Horizont die Mauern und Türme der Stadt.

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„Lasst uns hier am Waldrand übernachten“, sprach der alte Mann zu seinen Gefährten. „Die Stadt werden wir bei Tageslicht nicht mehr erreichen, und hier ist ein guter Platz zum Lagern.“ Ohne eine Antwort abzuwarten, sprang er vom Wagen und zeigte eine Stelle am Waldrand, an der sie die Wagen abstellten. Nur wenige Meter entfernt verlief ein kleiner Bach. Hier konnten sie frisches Wasser für sich und ihre Tiere schöpfen und sich nach der staubigen Reise erfrischen.
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Rasch hatten die Schausteller ihr kleines Lager aufgeschlagen. Die Tänzerin machte sich alsbald daran, eine Mahlzeit zuzubereiten. „Wo ist der alte Mann?“, fragte sie ihre Gefährten, „eben war er noch da. Das Essen ist fertig.“ „Er verschwand im Wald. Ich denke, er braucht im Augenblick keine Gesellschaft“, antwortete Urs, der Bärenbändiger, mit einem Grinsen im Gesicht. „Lasst uns essen.“ Mit großem Appetit nahmen sie die Mahlzeit zu sich.
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Nach einer Weile kehrte der alte Mann zurück zu seinen Gefährten. Mit großer Geste bot ihm der Spielmann einen Platz am Lagerfeuer an. „Jetzt, wo wieder Platz im Magen ist, lang kräftig zu. Es ist reichlich vorhanden“, sprach er mit vollen Backen zu dem Alten.
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Dieser nahm Platz und füllte seine Schüssel mit etwas Fleisch. „Ja, wir müssen uns stärken. Uns stehen große Mühen bevor.“ Urs wandte sich an den alten Mann, „mein Freund, nicht, dass ich dich jemals lachen gesehen hätte, aber nun erscheint mir dein Gesicht noch ernster als sonst. Was bedrückt deine Seele?“
 
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Doch der Alte blieb stumm. Das Schweigen des Alten wirkte ansteckend. Das Gespräch am Feuer verstummte, und alle legten sich zum Schlafen nieder. Nur der Einäugige blieb wach und legte von Zeit zu Zeit ein Stück Holz nach, damit das Feuer nicht ausging.
 
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Regungslos starrte er in die Funken. Es war eine klare Vollmondnacht, und groß stand der Mond am Himmel. Mitternacht war bereits vorbei, als in der Ferne ein Wolf heulte.
 
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Der Alte stand auf, lauschte dem Wolf und murmelte in seinen Bart, „ja, mein Freund, ich muss mich dieser Aufgabe stellen. Man wird mir nicht glauben, und so wird sich das Schicksal erfüllen.“
 
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Dann warf er noch einen Holzscheit ins Feuer, legte sich zu den anderen und schlief ein. Bei Sonnenaufgang erwachte die Gruppe. Das Lager wurde abgebaut, die Glut gelöscht, und sie machten sich auf den Weg zur Stadt.
 
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Die Schauspieler schwatzten aufgeregt durcheinander, auch der Alte nahm an der Unterhaltung einsilbig teil. Je näher sie den Toren der Stadt kamen, umso größer wurde die Zahl ihrer Wegbegleiter.
 
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Aus den entlegensten Winkeln des Königreiches und der Nachbarländer kamen die Besucher. Es schien, als wollte jeder Bewohner des Landes dem Turnier als Zuschauer beiwohnen.
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Nachdem sie endlich das Stadttor passiert hatten, sagte der Alte zu Irin, „folgt der Straße bis zur Winkelgasse, kehrt dort im „Goldenen Ochsen“ ein. Sagt dem Wirt, >Arn, der Wolfsmann schickt euch.< Er wird euch Platz für die Wagen, einen Raum zum Schlafen und eine warme Mahlzeit zu einem fairen Preis geben. Ich habe an anderer Stelle noch etwas zu erledigen.“ „So lange begleitest du uns nun schon, und erst jetzt erfahren wir deinen Namen.“ „Mein Name war und ist unwichtig. Doch der Wirt ist ein alter Freund und schuldet mir noch einen Gefallen.“ So sprach Arn, der alte Wolfsmann, und verschwand in der Menge.
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Während sich die Schauspieler zum „Goldenen Ochsen“ aufmachten, folgte der Alte einer kleinen Seitengasse tiefer in die Stadt hinein. Je weiter er vordrang, umso weniger Menschen begegneten ihm. Endlich war er allein in den engen Gassen. Hoch erhoben sich die Häuser zu seiner Rechten und Linken.
 
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Immer wieder schaute er sich um. Sorgsam war er darauf bedacht, dass ihm niemand folgt. Schließlich erreichte er ein schmales Haus. Nach einem weiteren aufmerksamen Blick klopfte er an die schwere Eichentür.

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