Singleplattformen - was ist wirklich dran?
Chancen und Risiken einer neuen Kennenlernform – ein
Erfahrungsbericht von einem, der es ausprobiert hat...
... lernen Sie noch heute nette Leute kennen, so schallt es von
vielen Werbebannern auf Internetseiten herunter, na ja dachte
ich (ich war auch Single und wollte es nicht unbedingt bleiben)
kann man ja mal ausprobieren.
Aber schon beim Anmelden wird schnell klar, hier kann man viel
Zeit investieren. Da muss man zunächst mal einen mehr oder
weniger länglichen Fragebogen ausfüllen. Und was die alles so
wissen wollen, welches Sternzeichen man ist, welche Haarfarbe
man hat... Aber auch so defizile Dinge wie Geburtsdatum und
Gewicht soll man bekannt geben, ob man an Gott glaubt und wie
viel Geld man im Monat nach Hause bringt. Na ja, gut; wer will
sich schon auf Dauer sein Herz an einen Hartz-Empfänger
abgeben...
Hat man diese Prozedur dann über sich gebracht, dann kann und
muss man sich ein schönes Profil erstellen. Das geht zwar ohne
HTML aber nicht ohne Nachdenken. Man braucht auch ein schönes
Foto. Gut vom Volker weiss ich, dass bei Frauen gern
schwarz-weisse Kinderfotos gesehen werden, die will ich aber
nicht rausrücken. Zum Glück gibt es Websites, die kostenlose und
lizenzfreie Fotos bereitstellen. Mein Rechtsanwalt hat mir
nämlich gesagt, dass ein Kinderfoto von Bill Gates dem Copyright
unterliegen soll und mit Gerichten will ich nichts zu tun haben.
Das gilt auch für die Texte in meinen Profil, man kann aber
Gedichte nehmen von Autoren, die schon länger als 75 Jahre tot
sind.
Während das schon ein paar Tage in Anspruch nimmt, kann man ja
inzwischen auf die Suche gehen. Hier nutzt natürlich das
geschickte Handhaben von AND und OR bei der Profisuche, da hat
man in der Internetschulung bei der Firma doch noch etwas
mitbekommen: Blond AND freizügig AND alter >18 AND alter <29 AND
PLZ-gebiet=5, da kann man schon gut auswählen. Dann erst mal
alle raus, die kein Foto zeigen und Stunden später hat man dann
ein paar nette Mädels zum Kennenslernen gefunden und auf der
Festplatte abgespeichert. Doch nun geht schon wieder das
Schreiben los. „Hallo ich finde dein Profil klasse, können wir
uns mal treffen?“ ist eindeutig zu wenig.
Gut viele Mädels haben mir dann später gesagt, dass dieser Text
noch überdurchschnittlich lang ist, aber nicht lang genug, um
darauf zu reagieren. Außerdem ist der Vorschlag, sich zu
treffen, eindeutig zu früh. Erst mal lange E-Mails hin und her
wechseln, dann lange Telefongespräche (Festnetznummer zwingend!)
und Wochen später kann man sich mal treffen, möglichst tagsüber
unter freien Himmel und nicht in einer schummrigen Kneipe, das
ist unseriös.
Inzwischen steht auch das eigene Profil, mal sehen wer sich da
so meldet. Ob je, auch nicht berauschend, zumal offensichtlich
viele Mädels des Typs Z unterwegs sind, die wohl eher den
Oberzensor spielen, als sich auf mich einlassen wollten.
Der dickste Ärger steht einem aber noch bevor. Wenn es dann
endlich zum Date kommt, ja dann wird man sich wundern, wie alt
denn die Fotos im Profil sind und wie sehr man auf Software vom
Typ Photoshop gesetzt hat.
Aber irgendwann könnte es ja klappen. Und man muss auch sehen,
dass die Alternativen außerhalb des Internets nicht unbedingt
überzeugen. Da trifft man dann auf nette Mädels aber die sind
leider, leider schon vergeben. So gesehen hat man dann im
Internet die bessere Ausgangsbasis, denn da wollen beide Seiten
nur dasselbe. Was das genau ist, das kann man ja schon vor dem
ersten Treffen aushandeln.
Zwei Jahre später hat's dann geklappt. Zwar offline, aber es war
doch ganz interessant gewesen und manche Kontakte aus dieser
Zeit haben sich gehalten, das aber sollte ich meiner Neuen eher
nicht auf die Nase binden.
